Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 gewann die AfD deutlich. Im Vorfeld verbreiteten sich auf Social Media zahlreiche falsche und irreführende Behauptungen über Wahlbetrug und Unregelmäßigkeiten. Ein DW-Faktencheck prüft die zentralen Vorwürfe.
Video mit angeblich zerstörten AfD-Stimmzetteln
Ein auf X verbreitetes Video zeigt angeblich Wahlhelfer, die AfD-Stimmzettel durchstreichen. Das Material wurde mehr als 10.000 Mal angesehen und stammt von einem mit QAnon verbundenen Account.
Das Video ist inszeniert. Alle durchgestrichenen Zettel tragen denselben Namen, es fehlt der vorgeschriebene Lochstempel für sehbehinderte Wähler, und die Umschläge sind bereits geöffnet. Die Gnida-Projekt ordnet das Video der russischen Storm-1516-Kampagne zu.
Behauptungen über CDU-Wahlbetrug mit verstorbenen Personen
Mehrere Videos behaupten, die CDU nutze Daten verstorbener Einwohner für Briefwahlbetrug. Die Clips verwenden Logos von DW, ARD, BBC und anderen Medien und enden mit Aufforderungen zum Teilen.
Alle Videos stammen von Accounts ohne Follower. Der erwähnte T-Online-Journalist Lars Wienand hat die Behauptungen dementiert. Experten ordnen die Aktion der Matryoshka-Operation zu.
Vorzeitige Auszählung von Briefwahlstimmen in Halle
Ein Post mit über 160.000 Aufrufen behauptet, in Halle seien Briefwahlstimmen vor 18 Uhr gezählt worden. Ein ZEIT-Liveblog diente als Beleg.
Die Redaktion korrigierte den Eintrag: Es handelte sich nur um Vorbereitungen. Die Wahlordnung erlaubt das Öffnen von Umschlägen vorab, die eigentliche Auszählung beginnt erst nach 18 Uhr.
Häufig gestellte Fragen
War die Wahl in Sachsen-Anhalt manipuliert?
Es gibt keine Belege für systematischen Wahlbetrug. Die geprüften Behauptungen sind falsch oder irreführend.
Welche Rolle spielt Russland?
Mehrere Kampagnen werden der GRU-nahen Storm-1516-Einheit und der Matryoshka-Operation zugeschrieben.
Darf man Briefwahlumschläge vor 18 Uhr öffnen?
Ja, vorbereitende Schritte sind erlaubt, die offizielle Auszählung jedoch nicht.
Wichtige Erkenntnisse
Die gezeigten Videos sind manipuliert oder gestellt.
Behauptungen über tote Wähler beruhen auf gefälschten Inhalten.
Die Auszählung in Halle begann nicht vorzeitig.
Russische Desinformationskampagnen zielten auf die Wahl ab.